Frottee: So nennen fast alle das Material, aus dem flauschige Handtücher und weiche Badetextilien bestehen. Fachlich genauer wäre in vielen Fällen Frottier. Der Unterschied zwischen Frottee und Frottier klingt nach Wortklauberei, macht sich im Bad aber deutlich bemerkbar: bei Saugkraft, Griff und Haltbarkeit. Wir zeigen Ihnen, was die beiden Gewebe trennt, welche Qualitäten sich für Badetextilien und Kleidung lohnen und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Was ist Frottee und Frottier? Die Unterschiede erklärt
Beide Wörter klingen fast gleich, meinen aber nicht dasselbe. Der größte Unterschied zwischen Frottee und Frottier steckt im Aufbau:
- Frottee ist ein Glattgewebe
- Frottier ein Schlingengewebe mit Schlaufen auf beiden Seiten.
Beim Glattgewebe entstehen die kleinen Schlaufen allein durch ein spezielles Effektgarn im Schuss. Der Stoff bleibt flach, die samtartige Struktur liegt nur auf einer Seite.
Das dichtere Pendant wird auf einer Spezialwebmaschine mit zwei Kettsystemen gewebt: einer straff gespannten Grundkette und einer locker laufenden Polkette. Aus der Polkette stellen sich beim Weben die Schlingen auf, die dem Frottier sein Volumen geben.
Je höher dieser Flor, desto flauschiger das Ergebnis.
Im Englischen heißt beides schlicht „terry cloth“, eine Unterscheidung gibt es dort gar nicht.
Der praktische Effekt liegt in der Schlingenfestigkeit. Bleiben Sie an einer Schlaufe hängen, zieht sich beim Glattgewebe schneller ein Faden. Für Handtücher im täglichen Dauereinsatz ist das ein handfestes Qualitätsargument.
Was ist hochwertiger, Frottee oder Frottier?
Kurze Antwort: Frottier. Das dichtere Schlingengewebe nimmt mehr Feuchtigkeit auf, bleibt nach vielen Wäschen in Form und gilt als das hochwertigere Material für Handtücher, Duschtücher und Bademäntel. Suchen Sie ein saugstarkes Badetuch, in das Sie sich nach der Dusche einhüllen, ist das dichte Schlingengewebe die erste Wahl.
Wie hochwertig ein Stück ausfällt, verrät auch die Grammatur, also das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter.
Fachleute unterscheiden drei Klassen:
- leicht (350 bis 499 g/m²)
- mittel (500 bis 599 g/m²)
- schwer (über 600 g/m²).
Die Qualitätsstufen der Frottier-Arten – von Velours bis Wirkfrottier
Schlingengewebe ist nicht gleich Schlingengewebe. Es kommt in vier Qualitäten, die sich in Griff und Saugkraft unterscheiden. Diese vier sollten Sie kennen, bevor Sie Frottierwaren wie Handtücher oder Bademantel kaufen.
Veloursfrottier: samtweich, etwas weniger saugstark
Beim Veloursfrottier schneidet man die Schlingen nach dem Weben auf. So entsteht eine samtige, an Velours erinnernde Oberfläche. Das Material fühlt sich weich an und zählt zu den edelsten Varianten. Der Preis dafür: Es nimmt Wasser nicht ganz so gut auf wie die geschlossenen Schlaufen. Für den Bademantel eine schöne Wahl, fürs schnelle Abtrocknen weniger.
Zwirnfrottier: robust und formstabil
Zwirnfrottier wird aus gezwirntem Garn gewebt, also aus mehreren verdrehten Fäden. Das macht die Schlaufen fest und das Gewebe langlebig. Muster und Bordüren kommen klar zur Geltung. In Hotels läuft diese Qualität gern, weil sie viele heiße Wäschen ohne Formverlust übersteht.
Walkfrottier: das flauschige Schwergewicht
Walkfrottier wird nach dem Weben gewalkt, also unter Feuchtigkeit mechanisch verdichtet. Das Ergebnis ist voluminös, weich und ausgesprochen saugstark. Mögen Sie es im Handtuch richtig kuschelig, liegen Sie hier goldrichtig.
Wirkfrottier: gewirkt statt gewebt
Wirkfrottier ist der Neuzugang der Familie. Es wird nicht gewebt, sondern auf einer Wirkmaschine gestrickt. Das ist einfacher und günstiger, geht aber nicht auf Kosten der Qualität: weich, saugstark und robust zugleich.
Bademantel aus Frottee oder Baumwolle: Was ist besser?
Diese Frage taucht beim Kauf oft auf. Der Haken daran: Frottee ist Baumwolle. Fast alle klassischen Bademäntel bestehen aus Baumwolle, der Unterschied liegt in der Machart, nicht im Rohstoff.

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Spannend wird der Vergleich also zwischen den einzelnen Geweben. Drei Varianten sind verbreitet:
- Frottee: der Klassiker mit Schlingen. Saugt am stärksten, wärmt gut, fühlt sich flauschig an.
- Velours: aufgeschnittene Schlingen, samtige Optik. Etwas eleganter, minimal weniger saugstark.
- Waffelpiqué: leichtes Waffelgewebe. Luftig, schnell trocknend, angenehm auf warmer Haut.
Welches Modell besser passt, hängt vom Einsatz ab. Für Sauna und Winter darf es der dicke Klassiker mit hohem Flor sein. Im Sommer oder auf Reisen punktet Waffelpiqué mit geringem Gewicht. Und für empfindliche Haut und für Kinder ist ein weiches, geschlossenes Schlingengewebe angenehm, weil nichts kratzt. Mehr zu Materialien und Schnitten lesen Sie in unserem Ratgeber zu Handtuch und Bademantel.
So pflegen Sie Frottee richtig
Ob Handtuch, Bademantel oder Kleidung aus Frottee: Damit das Gewebe lange flauschig bleibt, kommt es auf die Pflege an. Die gute Nachricht: Reine Baumwolle ist pflegeleicht.
Der Standard fürs Bad ist reine Baumwolle, oft in BCI-Qualität. Zellulosefasern wie Viskose und Modal kommen ebenfalls vor, weil sie viel Feuchtigkeit aufnehmen. Reine Synthetik wie Polyamid saugt dagegen kaum, trocknet aber schnell und begegnet Ihnen vor allem bei leichten Reisetüchern.
Waschen Sie bunte Badetextilien bei bis zu 60 Grad mit Fein- oder Colorwaschmittel, weiße bei bis zu 95 Grad mit Vollwaschmittel. Den ersten Waschgang planen Sie vor der ersten Nutzung ein: Er löst die Appretur aus der Fertigung, erst danach saugt das Gewebe richtig.
Auf Weichspüler verzichten Sie lieber. Er legt sich um die Fasern und senkt die Saugkraft.
Flauschig werden die Tücher stattdessen im Trockner, der die Schlingen wieder aufstellt. Auf der Heizung getrocknet wird das Gewebe dagegen hart und spröde.
Kuscheliger Modestoff und „Nicki-Klassiker“
Frottee kann mehr als „nur“ Badetextilien. In der Mode taucht der leichte Stoff immer wieder auf, von Poncho bis zum Sommershirt. Vielleicht kennen Sie ihn unter einem anderen Namen: Nicki. Dieser weiche Stoff aus Kindertagen ist eng verwandt und begegnet Ihnen bis heute in kuscheligen Pullover, T-Shirts und in der Kinderbekleidung. Wo Handtücher auf Saugkraft setzen, zählt beim Modestoff das weiche, angenehme Tragegefühl auf der Haut.
Woher die Begriffe Frottee und Frottier stammen
Zum Schluss noch geschichtliches Wissen zum Mitnehmen: Beide Wörter stammen aus dem Französischen und gehen auf das Verb „frotter“ zurück, was so viel wie „abreiben“ heißt. Die Franzosen selbst nennen das Gewebe übrigens „tissu éponge“, also Schwammstoff, ein Wink auf die hohe Saugkraft.
Die Sache mit den Schlingen kam aus dem Orient nach Europa. Der Engländer Henry Christy entdeckte auf einer Reise nach Konstantinopel ein geschlungenes Tuch, den sogenannten „Turkish Towel“. Zurück in England ließ seine Manchester Firma um 1850 die ersten maschinell gewebten Schlingentücher entstehen. 1851 zeigte man die weichen Stücke auf der Weltausstellung, Königin Victoria wurde zur frühen Kundin.
Nach Deutschland kam die Technik kurz darauf: 1856 stand in Großschönau in Sachsen der erste Frottierwebstuhl des Landes.
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