Minusgrade, Nieselregen oder Temperaturen um die 30 Grad: Beim Joggen ist die passende Laufbekleidung das A und O, um entspannt und angenehm seine Runde drehen zu können. Welche Materialien, Schnitte und Details wirklich im Sommer, Winter oder in der Übergangszeit zählen, erklären wir in unserem Guide zur richtigen Bekleidung beim Laufen.
Worauf es bei der Wahl der Laufbekleidung ankommt
Sportbekleidung soll heute beides können: funktional erstklassig sein und gut aussehen. Dazu zählen aufeinander abgestimmte Sets, cleane Schnitte und höchstes Tragegeform – und am besten können die It-Pieces im Training als auch entspannt als Freiteit-Outfit getragen werden.
Dass Sie sich bei kalten Temperaturen warm und bei warmen Temperatur luftig-kühl anziehen sollten, wissen Sie natürlich. Dennoch gibt es in puncto Funktionalität von Laufbekleidung und während der Übergangsjahreszeit immer wieder kleine Fragenzeichen, die aufploppen.
Deshalb bringen wir ein wenig Licht ins Dunkle und zeigen Ihnen in unserer Checkliste acht Faktoren, worauf Sie beim Zusammenstellen des Running-Outfits den Fokus legen sollten.
Temperatur
Die ersten Minuten täuschen. Beim Start fühlt sich die Luft kühl an, doch der Körper produziert schnell Wärme und läuft nach zehn Minuten heiß. Ziehen Sie sich deshalb für die „Betriebstemperatur“ an, nicht für den fröstelnden Moment an der Haustür. Bewährt hat sich die Faustregel, sich so anzuziehen, als wäre es rund zehn Grad wärmer.
Das heißt, wenn 12 Grad prognostiziert sind, gilt es Kleidung so zu wählen, als herrschten 22 Grad. Diese Regel bezieht die Tatsache mit ein, dass die körperliche Bewegung ohnehin zu einem gesteigerten Wärmeempfinden führt und lässt sich leicht mit den anderen Faktoren in unserer Checkliste verbinden.
Wind
Wind ist der unterschätzte Faktor. Er trägt die Wärme von der Hautoberfläche ab und lässt zehn Grad schnell wie fünf wirken, auf verschwitzter Haut umso stärker. Sinnvoll ist eine Laufjacke mit winddicht verarbeiteter Front, während Rücken und Achseln aus atmungsaktiverem Material bestehen dürfen. So bleibt die Kälte draußen, ohne dass sich unter der Jacke ein Hitzestau bildet.
Wissen zum Mitnehmen: Nur bei Windstille fühlen sich 10 Grad auch wie 10 Grad an. Bereits bei leichtem Wind wirken sie eher wie 3, bei starkem Sturm ab 40 km/h sogar wie -1 Grad. Tatsächlich lässt sich der sogenannte Windchill-Faktor mithilfe einer Formel oder einfacher mithilfe eines Online-Rechners ermitteln.
W = 13,12 + 0,6215 x T – 11,37 x V0,16 + 0,3965 x T x V0,16
Windchill= W / Windgeschwindigkeit= V / Tatsächliche Temperatur= T
Witterung
„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!“ – diese Redewendung trifft tatsächlich auch bei der Laufbekleidung zu. Regen stoppt keine Trainingseinheit. Mit dem optimalen Outfit, macht das Laufen an einem verregneten Tag sogar Spaß. Der Griff sollte hierbei am besten zu einer Laufjacke mit einer wasserabweisenden Oberschicht gehen.

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Gut zu wissen: Laufjacken sollten wasserabweisend, jedoch nicht wasserdicht sein. Denn eine komplett dichte Membran würde bei der hohen Schweißproduktion beim Joggen von innen zu Kondenswasser führen, sodass Sie im eigenen Schweiß durchnässen.
Atmungsaktivität
Beim Joggen entstehen Wärme und Schweiß, die abgeführt werden müssen. Funktionsfasern aus Polyester oder Polyamid sind hydrophob: Sie nehmen kaum Feuchtigkeit auf, transportieren den Schweiß an die Stoffoberfläche und geben ihn dort an die Luft ab.
Baumwolle macht das Gegenteil: Sie saugt sich voll, bleibt nass und kühlt aus, sobald Sie langsamer werden. Für den Sport ist Funktionsmaterial dem Baumwollshirt damit klar überlegen.
Bewegungsfreiheit
Joggen ist Bewegung im gleichen Takt, tausendfach wiederholt, und genau da rächt sich jeder Fehler im Schnitt. Die Passform sollte körpernah sitzen, ohne einzuengen, und den Schritt an keiner Stelle bremsen. Flache Flatlocknähte liegen plan auf und verhindern das Scheuern, das über eine lange Distanz zu wunden Stellen an Achseln, Brustwarzen oder Innenschenkeln führt.
Auch die Laufhose sollte wie angegossen sitzen. Ein elastisches, breit gearbeitetes Gummiband rutscht nicht und schneidet nicht ein. Bei Damen aktuell angesagt: Leggings mit Seamless-Technologie. Atmungsaktiv, hoch funktional, flexibel und das Wichtigste: Die Hose hält an Ort und Stelle und sitzt wie eine „zweite Haut“.
Sichtbarkeit
In der Dämmerung und in der Dunkelheit geht es ums Gesehenwerden. Reflektierende Elemente oder Kleidung aus reflektierendem Neylon werfen das Scheinwerferlicht direkt zurück und lassen Sie für Autofahrende aus großer Entfernung aufblitzen, anders als helle Farben, die im Dunkeln kaum wirken.
Am effektivsten sitzen Reflektoren an den beweglichen Körperteilen, also an Fuß- und Handgelenken, weil die Bewegung zusätzlich Aufmerksamkeit erzeugt.
Sonnenschutz
An hellen Tagen gerät der Schutz vor UV-Strahlung leicht in Vergessenheit. Dicht gewebte Funktionsstoffe mit UPF-Kennzeichnung (Ultraviolet Protection Factor) schirmen einen definierten Anteil der Strahlung ab: UPF 50+ lässt weniger als zwei Prozent durch. Das leistet ein dünnes, helles Baumwollshirt so nicht.
Ein Cap hält die Sonne aus dem Gesicht, für die freien Hautpartien an Armen und Beinen bleibt Sonnencreme die Ergänzung. Helle Töne heizen sich in der Sonne zudem weniger auf als dunkle.
Accessoires
Hier lohnt der genaue Blick, denn ausgerechnet bei Mütze und Caps greifen viele zum falschen Modell. Eine Lifestyle-Cap aus Baumwolle saugt den Schweiß auf und bleibt nass und schwer. Eine Sport-Cap dagegen besteht aus leichtem, atmungsaktivem Funktionsgewebe, oft mit Mesh-Einsätzen, trocknet schnell und leitet Feuchtigkeit ab.

Dasselbe gilt für die Mütze: Statt dicker Alltagswolle wärmt eine schmale Beanie aus Merino oder Funktionsfaser, ohne dass der Kopf unter ihr ins Schwitzen gerät.
Und Handschuhe fürs Joggen sind dünn, am Handrücken winddicht und oft touchscreenfähig verarbeitet. Ein Multifunktionstuch schützt bei Kälte Hals und Mund und lässt sich unterwegs herunterziehen, sobald der Körper warm läuft.
Luftige Kleidung beim Joggen im Sommer
Bei warmen Hitzeperioden im Hochsommer muss das Outfit vor allem eines: den Körper kühl halten. Ein ärmelloses Singlet oder ein kurzärmeliges Funktionsshirt mit lockerem Schnitt lässt Luft an die Haut und den Schweiß verdunsten. Dazu passen eine kurze Laufshorts sowie ein atmungsaktives Cap mit UV-Schutz.
Ärmellose Schnitte mit belüfteten Mesh-Zonen an Rücken und Seiten verbessern die Verdunstung dort, wo am meisten Schweiß entsteht.
Laufen in Sport-Bustier? Ist ein kontroverses Thema, allerdings sollte es ein persönliche Entscheidung sein. Welcher Sport-BH Ihnen beim Joggen am besten Halt gibt, lesen Sie in unserem Beitrag: Welcher Sport-BH eignet sich für welche Sportart.
Laufbekleidung in der Übergangszeit clever kombinieren
Frühjahr und Herbst sind fürs Joggen angenehm temperiert, aber wechselhaft: morgens 8 Grad, mittags 18, dazu Wind und kurze Schauer sind klassisches April- oder Oktoberwetter. Gute Laufbekleidung reagiert hier flexibel. Bei etwa 15 Grad bewährt sich ein langärmeliges Funktionsshirt, das sich über eine Daumenschlaufe an den Ärmeln fixieren lässt, kombiniert mit langen oder dreiviertellangen Tights.
Ein zweites, dünnes Layer nach dem Zwiebelprinzip ist klug: eine leichte, wasserabweisende und winddichte Jacke über dem leichtem Funktionsshirt, die sich per Frontreißverschluss öffnen und bei Wärme zusammengefaltet in einer Gürteltasche verstauen lässt. So reagieren Sie, wenn die Sonne herauskommt oder ein Schauer aufzieht.
Welche Laufbekleidung im Winter anziehen?
Bei Kälte und Minusgraden ist das Zwiebelprinzip das Nonplusultra-Gimmick: drei Schichten, die zusammenarbeiten. Bei der Laufbekleidung im Winter liegt direkt auf der Haut ein Basis-Layer am besten aus Merino oder Funktionsfaser, der den Schweiß sofort abtransportiert. Genau hier zeigt sich, ob Sie warm und trocken bleiben. Darüber kommt eine wärmende Zwischenschicht als Isolationsschicht, etwa ein dünnes Fleece oder Longsleeve.
Die dritte Schicht ist eine winddichte, wasserabweisende Jacke, die die Wärme hält und Wind und Nässe abwehrt. Auch eine gute Kombination: eine wärmende Weste aus Daunen über dem Longsleeve.
An den Beinen genügt oft eine warme, etwas dickere Lauf-Tights. Für Männer auch gerne in Kombination mit einer kurzen Lauf-Shorts über der langen Trainingsleggings. Bei strengem Frost lässt sich eine dünne Funktionsunterhose darunterziehen.
Dazu gehören Mütze, Handschuhe und bei Bedarf ein Multifunktionstuch bzw. einen Schlauchschal um den Hals oder komplett über den Kopf gezogen, denn an Kopf, Händen und Hals kühlt der Körper an den unbedeckten Stellen am schnellsten aus.
Gut ausgestattet bei jedem Wetter
Mit dem passenden Material und ein paar Grundregeln wird aus jeder Wetterlage eine gute Joggingrunde. Achten Sie auf Funktionsstoffe statt Baumwolle, ziehen Sie sich nach der Zehn-Grad-Regel an und schichten Sie im Winter die Laufbekleidung nach dem Zwiebelprinzip. So sind Sie gegen Regen, Wind oder Kälte über am besten gerüstet und können die Running-Club-Session oder Ihre persönliche Trainingseinheit genießen.
Häufige Fragen rundum die richtige Laufbekleidung
Was ziehe ich zum Joggen bei 15 Grad an?
Bei 15 Grad reichen meist ein kurz- oder langärmeliges Funktionsshirt und eine kurze bis lange Tight. Nach der Zehn-Grad-Faustregel fühlt es sich unterwegs eher wie 25 Grad an. Eine dünne Jacke zum Überziehen ist bei Wind oder Regen sinnvoll.
Sind Laufjacken wasserdicht?
Die meisten sind wasserabweisend, nicht wasserdicht. Das ist Absicht: Eine vollständig dichte Jacke würde die Atmungsaktivität blockieren, sodass Sie im eigenen Schweiß nass werden. Für normalen Regen genügt eine wasserabweisende, atmungsaktive Jacke.
Warum keine Baumwolle beim Joggen?
Baumwolle saugt Schweiß auf und gibt ihn kaum wieder ab. Der nasse Stoff kühlt aus, scheuert und wird schwer. Funktionsfasern und Merinowolle transportieren die Feuchtigkeit dagegen nach außen.
Reicht eine normale Mütze im Winter?
Eine dicke Alltagsmütze aus Wolle staut die Wärme und lässt den Kopf schwitzen. Eine schmale Funktions- oder Merinomütze wärmt und leitet Feuchtigkeit zugleich ab – die bessere Wahl fürs Joggen.
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