Alles über Stoffdichte, GMS & Co.
150 oder doch lieber 180 GMS? Wer ein Kleidungsstück kaufen möchte, stößt unweigerlich auf diese kryptischen Zahlen. Die Grammatur bei T-Shirts – kurz GMS – entscheidet über Tragegefühl, Haltbarkeit und Einsatzbereich. Ob luftiges Sommeroberteil, robustes Arbeitsshirt oder verlässliches Basic: Das Stoffgewicht verrät mehr über die Qualität der Textilien, als viele vermuten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was genau hinter den GMS-Zahlen steckt, wie sich welche Stoffdichte auf der Haut anfühlt und welche Materialstärke zu welchem Zweck passt.
Stoffgewicht erklärt: Was bedeutet Grammatur?
Die Grammatur – international als GSM (Grams per Square Metre) bezeichnet – beschreibt das Gewicht eines Quadratmeters Stoff. Die GMS-Zahl liefert eine messbare Orientierung, sagt aber weder etwas über Stoffdicke noch über Qualität aus.
Wichtig dabei: Stoffgewicht und Stoffdicke sind nicht dasselbe. Ein feiner, dicht gewebter Stoff kann schwerer sein als ein locker aufgebauter mit mehr Volumen. So wirkt ein Poloshirt aus Piqué auf den ersten Blick oft dicker als ein T-Shirt aus modischem Jersey-Stoff – tatsächlich steckt hinter der Waffeloptik aber eine luftigere Struktur. Die Grammatur erfasst also das Gewicht, nicht zwingend das Volumen.
Und noch ein Mythos, der hartnäckig kursiert: Eine höhere Materialstärke bedeutet nicht automatisch bessere Qualität. Ein leichtes Sportshirt aus gekämmter Baumwolle kann in puncto Verarbeitung und Tragekomfort ein schwereres Mischgewebe locker übertreffen.
Aussagekräftiger ist das Zusammenspiel aus Stoffgewicht, Materialwahl und Verarbeitung – nicht die GMS-Zahl allein.

Welche Materialstärken gibt es bei T-Shirts?
Die Wahl der richtigen Grammatur hängt davon ab, wofür das T-Shirt oder das jeweilige Kleidungsstück gedacht ist. Ein luftiges Sommeroberteil stellt andere Anforderungen als ein robustes Arbeitsshirt oder ein verlässlicher Layering-Partner in der Übergangszeit. Wer ein T-Shirt kaufen möchte, sollte die Grammatur also nicht dem Zufall überlassen.
Grammaturen von sehr leicht bis heavy
- Sehr leicht: Stoffe zwischen 120 und 140 g/m² eignen sich für heiße Sommertage oder intensive Workouts – ein Hauch von Nichts auf der Haut.
- Leicht: GMS zwischen 150 und 160 bieten mehr Substanz, bleiben aber angenehm luftig und eignen sich für den Alltag im Sommer.
- Mittelschwer: T-Shirts mit einer Grammatur von 170 bis 190 gelten als echte Allrounder: Sie machen ganzjährig eine gute Figur, sei es als Solo-Oberteil oder als Layer unter Hemden und Pullovern.
- Schwer: Stoffe ab 200 g/m² vermitteln ein sicheres Gefühl und halten einiges aus.
- Heavy: Cotton-Varianten mit einem Stoffgewicht von 250 g/m² oder mehr sind regelrechte Arbeitstiere – und ein Geheimtipp für die Übergangsmode, weil sie spürbar wärmen, ohne zu dick aufzutragen.
Welches GMS eignet sich für Arbeitskleidung?
Für Arbeits-T-Shirts, die regelmäßig strapaziert und häufig gewaschen werden, empfehlen sich Grammaturen ab 180 – besser sogar über 200. Solche Stoffe halten mehr aus, behalten ihre Form und überstehen zahlreiche Waschgänge, ohne dünn zu werden oder auszuleiern. Wer bei der Corporate Wear auf Langlebigkeit setzt, investiert besser in schwerere Materialien.

Wie fühlen sich die einzelnen Stoffgewichte an?
Ein T-Shirt mit GMS 150 fühlt sich auf der Haut beinahe schwerelos an – angenehm an heißen Tagen, an denen jedes Gramm zählt. Der Stoff ist dünn, flexibel und schmiegt sich eng an. Manche empfinden das als angenehm luftig, andere vermissen die Substanz.
Mittelschwere Grammaturen zwischen 170 und 190 g/m² gelten als ausgewogen. Sie bieten genug Griff, um sich hochwertig anzufühlen, bleiben aber komfortabel. Der Stoff fällt schön, klebt nicht und sitzt verlässlich an seinem Platz. Kein Wunder, dass diese Materialstärke als Sweet Spot für Basic-T-Shirts gilt.
Heavy-Cotton-Shirts vermitteln ein Gefühl von Substanz und Souveränität. Der Stoff hat Stand, behält seine Form und gibt ein sicheres Tragegefühl. Wer sich in einem Shirt wie „verpackt“ fühlen möchte, greift zu diesen Schwergewichten – sie machen einfach etwas her.
180 oder 200 GMS? Unterschiede im Tragegefühl
Der Unterschied zwischen den beiden GMS-Zahlen klingt marginal, ist aber spürbar. Ein T-Shirt mit 180 g/m² fällt weicher, fließender und passt sich geschmeidig dem Körper an. Es wirkt lässiger und leichter. Bei einer Grammatur von 200 gewinnt der Stoff an Stand und Struktur. Das Oberteil behält seine Form, selbst wenn man sich viel bewegt, und fühlt sich substanzieller an. Perfekt für Sicherheits- und Arbeitskleidung.
Wer einen cleanen, minimalistischen Look bevorzugt, greift oft zu schwereren Grammaturen – sie knittern weniger und wirken gepflegter. Für einen relaxten Sommerlook darf es ruhig etwas leichter sein. Der Griff, also wie sich der Stoff zwischen den Fingern anfühlt, unterscheidet sich ebenfalls: Leichtere Stoffe wirken geschmeidiger, schwerere fester und griffiger.
Wie entsteht das Stoffgewicht? Fäden, Maschen und Materialaufbau
Fadenstärke, Maschendichte und Bindungsart bestimmen die Grammatur eines T-Shirts. Die meisten Oberteile bestehen aus Jersey – einem Stoff, der nicht gewebt, sondern gestrickt wird. Je enger die Maschen, desto schwerer fällt das Stoffgewicht aus.
Dabei unterscheiden sich die Stoffarten erheblich. Klassischer Single-Jersey ist leicht und elastisch. Interlock-Jersey wirkt durch seine doppelte Struktur dichter und formstabiler. Piqué mit seiner charakteristischen Waffeloptik – typisch für Poloshirts – täuscht oft mehr Volumen vor, als tatsächlich dahintersteckt.
Wer modischen Jersey-Stoff schätzt, weiß: Hinter einem scheinbar einfachen T-Shirt steckt mehr Stoffaufbau, als man auf den ersten Blick vermutet.
Auch die Faserart beeinflusst das Gewicht. Baumwolle ist von Natur aus schwerer als Lyocell, während Polyester dazwischen liegt. Ein Baumwollshirt kann deshalb dünner wirken als ein Polyester-Mix mit derselben Grammatur. Die Faser gibt die Richtung vor: Baumwolle fühlt sich natürlicher an, Polyester trocknet schneller.

Vergleich: Grammaturen je nach Kleidungsstück
Nicht jedes Kleidungsstück bzw. Oberteil bewegt sich im selben Grammatur-Bereich. Ein Überblick hilft bei der Orientierung.
Vergleichstabelle: GMS, Tragegefühl und Verwendung
| Stoffgewicht (g/m²) | Typische Kleidungsstücke | Tragegefühl | Geeignet für |
| 120 –140 | Sehr leicht, T-Shirts, Funktionsshirts | Luftig, weich, beweglich | Sommer, Sport, Layering |
| 150–160 | Leichte T-Shirts | Leicht, aber alltagstauglich | Warme Tage, Freizeit |
| 170–190 | Klassische T-Shirts | Ausgewogen, guter Fall | Alltag, Büro, ganzjährig |
| 200–220 | Robuste T-Shirts, Poloshirts | Fester Griff, stabil | Arbeit, häufiges Waschen |
| 230–260 | Sweatshirts, Hoodies | Kompakt, wärmend | Übergang, Outdoor |
| > 260 | Heavy Cotton, Workwear | Sehr stabil | Arbeit, Kälte, Langlebigkeit |
Richtwerte für T-Shirts und Oberteile
Bei T-Shirts reicht das Spektrum von sehr leicht bis heavy. Für den Sommer oder intensive Workouts greifen viele zu leichteren Varianten zwischen 120 und 140 g/m², während mittelschwere Shirts als ganzjährige Basics überzeugen. Allerdings neigen solche „Fliegengewichte“ dazu, schneller aus der Form zu geraten. Ohne eine sehr geschickte Materialzusammensetzung verrutschen sie leichter und wirken nach wenigen Wäschen oft ausgeleiert.
Stoffgewichte bei Poloshirts, Sweatshirts und Hoodies
Poloshirts bewegen sich typischerweise zwischen GMS 160 und 180 – sie sollen sportlich-elegant wirken, ohne zu schwer zu fallen. Sweatshirts starten bei 210, während lässige Hoodies meist ab GMS 250 beginnen, um die nötige Wärme und Struktur zu bieten.
Wichtig zu wissen: Schwere Stoffe wärmen nicht automatisch mehr. Ein dicht gewebter Stoff mit 180 g/m² kann isolierender wirken als ein lockeres 220-g/m²-Material. Ausschlaggebend ist mehr die Struktur, nicht allein das Gewicht. Für die Übergangszeit empfehlen sich deshalb formstabile, mittelschwere bis schwere Materialien, die bei schwankenden Temperaturen flexibel bleiben.
Blickdicht oder transparent? Stoffdichte als Stylingfaktor
Die Grammatur beeinflusst außerdem die Optik eines Kleidungsstücks, insbesondere die Frage, ob es blickdicht ist oder „Haut zeigt“. Weiße T-Shirts mit einer Grammatur unter 160 g/m² gewähren nach dem Anziehen oft mehr Einblicke, als man im gefalteten Zustand vermutet hätte. Auch Kleidungsstücke über GMS-180 garantieren bei hellen Farben noch keine vollständige Blickdichte – erst ab 200 wird es wirklich undurchsichtig.

Die Farbe spielt eine entscheidende Rolle. Dunkle Töne fangen neugierige Blicke besser ab: Ein schwarzes T-Shirt wirkt meist schon ab GMS 150 blickdicht. Wer beim Smart-Casual-Look für den Businesstermin auf Nummer sicher gehen will, wählt also entweder dunklere Farben oder schwerere Grammaturen.
Knitterarm oder empfindlich: Welche Stoffgewichte schlagen sich besser?
Wer keine heiße Liebe fürs Bügeleisen pflegt, profitiert von höheren Grammaturen. Schwerere Stoffe knittern weniger und behalten ihre glatte Optik länger. Leichte T-Shirts neigen hingegen dazu, schneller Falten zu werfen – besonders nach dem Waschen und Trocknen. Das mag im Sommer bei einem betont lässigen Look vertretbar sein, wirkt aber beim gepflegten Auftritt eher unvorteilhaft.
Mehr als Grammatur: Materialqualität und Verarbeitung
Die Grammatur ist ein wichtiger Anhaltspunkt, aber längst nicht alles. Baumwolle bleibt das Herzstück vieler T-Shirts – atmungsaktiv, hautfreundlich und angenehm zu tragen. Allerdings macht die Qualität den Unterschied. Industriell gesponnene Garne können sich rau anfühlen, während ringgesponnene Baumwolle aus längeren Fasern eine angenehmere Haptik und einen glatteren Look bietet.
Ein kleiner Elasthan-Anteil verbessert häufig die Formstabilität und den Komfort, ohne dass das Shirt seine Struktur verliert. Polyester wiederum hat in der Funktionsbekleidung seinen festen Platz: Funktionsshirts aus High-Tech-Fasern sind leicht, trocknen schnell und eignen sich perfekt für Sport und Teamsport.
Die Verarbeitung rundet das Bild ab: Saubere Nähte, stabile Kragen und durchdachte Details wie Nackenband oder eingefasste Seitenschlitze sorgen dafür, dass ein T-Shirt nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis überzeugt.
Langlebigkeit: Warum das richtige Stoffgewicht zählt
Ein T-Shirt mit der falschen Materialstärke bewährt sich nicht – und landet kaum getragen im Altkleidersack. Zu leichte Stoffe verlieren schneller ihre Form, wirken nach wenigen Wäschen ausgeleiert und müssen früher ersetzt werden. Das ist weder nachhaltig noch auf lange Sicht günstig.
Wer sich zu Slow Fashion bekennt, investiert lieber in Qualitätsshirts mit passender Grammatur und hochwertigen Garnen wie gekämmter Baumwolle. Solche Stücke halten viele Jahre und überstehen zahlreiche Waschzyklen, ohne ihre Substanz zu verlieren. Unter dem Strich rechnet sich das – denn Fast-Fashion-Shirts mit GMS 120 bis 14 müssen so oft ersetzt werden, dass sie am Ende teurer kommen als Premium-Kollektionen.
Die bewusste Wahl des Stoffgewichts ist also mehr als ein modisches Detail: Sie ist eine Entscheidung für Langlebigkeit, Qualität und einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung. Wer das versteht, kauft anders ein – und trägt länger Freude am eigenen Kleiderschrank.
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